Freitag, 10. August 2012

Kampala - eine ganz spezielle Hauptstadt


Aufgrund von Ebola und anderen Umständen habe ich es doch tatsächlich erst in meiner vierten Woche hier geschafft, nach Kampala zu kommen. Dabei ist Kampala gar nicht so weit weg von Entebbe. Am Freitag haben wir uns um 10 auf den Weg gemacht. Esther, Rebecca, Marcella und mir stand eine ganz neue Erfahrung und irgendwie auch ein Abenteuer bevor. Zum Glück war Tabea dabei, sie kennt das ja alles schon. Kampala ist nämlich echt nichts für schwache Nerven. Und das sage ich nicht nur, weil ich Dorfkind bin.
Mit dem Matattu kann man direkt von Entebbe über die Mainroad nach Kampala durchfahren. Dabei ist „durchfahren“ wohl eher relativ – alle paar Minuten stoppt das Taxi und Leute steigen aus, bzw. neue ein. Wir hatten das Glück, die Plätze in der letzten Reihe zu ergattern, weshalb wir nicht dauernd für andere Mitfahrer aus- und einsteigen mussten. Dazu muss man vielleicht wissen, dass Matattus hier in der Regel immer randvoll mit Menschen gepackt werde, bevor sie losfahren. Da ist so ein kleiner Bus dann ganz fix mal mit 16 oder 17 Leuten vollgepackt. Manchmal zusätzlich mit einer Menge Gepäck. Zählt man die Kinder dazu, die auf dem Schoß ihrer Mutter sitzen kommt man sogar auf bis zu 20 Leute. Aber das ist für mich eigentlich schon nichts neues mehr. Der Taxipark in Entebbe ist nur 5 Minuten von meinem Zuhause entfernt, weshalb ich oft mit dem Taxi statt dem Bodaboda in die Stadt fahre. Das kostet dann ungefähr 17 Cent pro Fahrt. Die Hinfahrt nach Kampala kostet ungefähr 85 Cent. Verdammt wenig, wenn man bedenkt, dass man mindestens eine Stunde unterwegs ist. Eine Stunde Fahrt ist übrigens echt der Optimalfall. Anne hat erzählt, dass sie für die Rückfahrt von Kampala nach Entebbe auch schon mal 6 Stunden (!) gebraucht hat. Das ist immer abhängig vom Verkehr und der Zeit, zu der man hin bzw. zurück fährt.
So saßen wir 5 also um 10 Uhr morgens im Matattu auf dem Weg nach Kampala. Schon auf dem Weg war der Himmel fast schwarz und die ersten Tropfen ließen nicht lange auf sich warten. Als wir ankamen, lag ein grauer Dunst über der Stadt, „Willkommen in Kampala!“. Ich hatte mich schon in Entebbe daran gewöhnt, dass Verkehrsregeln – sofern es sie überhaupt gibt – eigentlich nie beachtet werden. Weder von Matattus, noch von Autos, noch von Bodas, noch von Radfahrern und von Fußgängern sowieso nicht. Man hat immer das Gefühl, dass jeder einfach geradeaus dahin geht oder fährt wo er hin will. In Entebbe ist das ja noch harmlos. In Kampala hat man ständig das Gefühl, dass es in den nächsten Sekunden einfach krachen muss, so eng wie da alle aneinander vorbeifahren. Das war auch eine der ersten Sachen die mein Gastvater mir hier ans Herz gelegt hat: Warte immer bis die Straße frei ist, hier bremst keiner, auch nicht für Fußgänger.
In Kampala angekommen, dauerte es noch ca. 15 Minuten, bis wir am Old Taxi Park waren. Währenddessen wurde der Regen stärker. Plötzlich war die ganze Stadt in Bewegung. Alle rannten irgendwo hin und versuchten ihr Hab und Gut vor dem Regen zu schützen. Das sah einfach nur so verrückt aus. Und trotz heillosem Durcheinander hatte man das Gefühl, dass alles irgendwie einfach funktioniert und jeder weiß was er tun muss bzw. wo er hin rennt. Auch wir rannten mehr oder weniger vom Taxi Park zu einer nahe gelegenen Tankstelle um uns vor dem immer stärker werdenden Regen zu schützen. Die Straßen waren relativ schnell überflutet, einfach aus dem Grund, weil die Menschen hier ihre ganzen Abfälle entweder verbrennen oder in die Kanalisation werfen. Alles war also überschwemmt von einer braunen Brühe. Wir hatten das Glück, rechtzeitig in das Verkaufsgebäude der Tankstelle zu gelangen, später wurden keine mehr reingelassen. Das Bild, dass sich uns beim Blick auf die Tankstelle bot war einfach nur verrückt. Etliche Bodabodafahrer, Frauen mit Kindern und Menschen jeden Alters versammelten sich um die Zapfsäulen um Schutz zu suchen. Ein riesen Gewimmel. Bis plötzlich ein großer, grüner Bus die Tankstelle anfuhr um zu tanken. Das Gewimmel wurde immer größer, Menschen mussten Platz machen, einige Männer wiesen den Busfahrer an vorwärts zu fahren, obwohl Menschen direkt vor dem Bus standen. Aber wie immer hier regelte sich alles irgendwie von alleine. Nach ca. 1 Stunde in der Tankstelle wurde der Regen weniger und der Chef der Tankstelle (oder sowas ähnliches, zumindest hat er sich ziemlich wichtig gemacht) wollte uns persönlich zu einem ugandischen Restaurant führen, weil Rebecca und Marcella ugandisch essen wollten. Sie wussten tatsächlich nicht was Posho ist, dieser nach nichts schmeckende Reisbrei, den es hier fast jeden Tag gibt. Das erste Restaurant hatte glaub ich leider nur Pommes, weshalb uns der Tankstellenchef zu einem anderen führte. Quer über die Straße, zwischen hunderten Matattus, Bodabodas und Menschen ging es zu einem großen Klamottenladen. Wir wurden ständig angequatscht mit „Hey Muzungu we make good prices“ und „Hey my friend, you want to buy something“. Die Marktschreier und Verkäufer hier machen ihren Job echt gut. Auch wenn es mittlerweile manchmal wirklich nervt, ständig angequatscht zu werden. Das ugandische Restaurant befand sich im dritten Stock eines Hochauses. Da ziemlich wenig los war, konnten wir uns auf den Balkon setzen und das Treiben auf der Straße von oben betrachten. Das wurd auch nach einer halben Stunde nicht langweilig. Ugandisch Essen musste ich ja nun wirklich nicht, das kann ich jeden Tag Zuhause, deshalb hab ich mich mehr aufs Gucken und Leute beobachten konzentriert. Von oben sah das Verkehrschaos noch viel beeindruckender aus. Die Kellnerin im Restaurant hat mehr als das Doppelte für das Essen verlangt, als es hier in Entebbe kostet. Und normalerweise ist in Kampala alles noch günstiger. Hier wählt man beim Essen die Sauce (Chicken, Beef, Goat oder Fisch mit Sauce) und kann dann dazu so viel Reis, Chapati (herzhafte Pfannekuchen, die man auch an jeder Straßenecke für ca. 17 Cent kaufen kann), Matoke (Kochbananen-Matsche) oder Posho ( der Maisbrei, der nach nichts schmeckt) haben. Die Teller sind immer so richtig vollgepackt, wenn man nicht gerade ganz viel Hunger hat, schafft man die Portionen kaum. In Entebbe zahlt man für so eine Portion ca. 1 Euro. Aber die meisten Ugander versuchen bei Weißen höhere Preise zu verlangen, weil sie wissen (oder eher denken), dass wir Weißen alle ganz viel Geld haben. Das ist aber eigentlich überall so. Deshalb ist es immer gut, zu wissen, was Ugander für bestimmte Lebensmittel bezahlen, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.
Nach dem Essen sind wir mit 3 Bodabodas zum Women's Craft Market gefahren. Auch hier musste Tabea erstmal mit mehreren verhandeln, um einen fairen Preis zu bekommen. Die Fahrt dorthin war ein echtes Abenteuer. Rebecca ist mit Marcella auf einem Boda gefahren, Esther mit mir und Tabea alleine. Nach ca. 5 Minuten Fahrt hatten wir uns schon alle verloren. Zum Glück hatten alle 3 Bodas das gleiche Ziel. Ich war froh, Esther bei mir zu haben – der Bodafahrer ist so unglaublich halsbrecherisch gefahren, dass ich a) jeden Moment damit gerechnet haben, dass wir entweder einen anderen Boda oder ein Taxi crashen oder b) kopfüber vom Motorrad fallen. Dieses Fahrverhalten, was bei uns in Deutschland sofort strafrechtlich verfolgt werden und zum Entzug des Führerscheins führen würde, ist hier aber ganz normal. Da muss man sich einfach dran gewöhnen. Aber ganz ehrlich gesagt macht es irgendwie auch echt Spaß da durch die Straßen zu heizen. Hat was von einer Achterbahnfahrt. Es gibt übrigens sogar funktionierende Ampeln in Kampala. Die sind aber glaub ich mehr zur Zierde da. Und Polizisten gibt es auch. Die stehen dann da in weißen Anzügen mit Uniformmütze und Trillerpfeife und wollen ganz wichtig wirken während sie da rumpfeifen. Ich hatte aber eher den Eindruck, dass es kein Schwein juckt. Hier haben auch nur ein paar wenige Bodabodas überhaupt eine Lizenz zum Bodafahren. Nämlich die, die gelbe oder orange Warnwesten tragen. Liebe Mami, zu deiner Beruhigung: Dennis, der mich jeden Tag zum Malayakahaus und auch sonst wo hin fährt, hat so eine ;-) Letztens sind wir aber auch schon zu viert mit nem anderen Boda zum Strand gefahren. Hab dann direkt einen kleinen Anschiss von meinem Gastvater bekommen, der meinte zu zweit wär ja okay, aber zu dritt müsste echt nicht sein. War aber lustig, und die Strecke war ja auch nicht lang.
Nach ca. 10 erlebnisreichen Minuten auf dem Boda durch Kampala haben wir uns alle wieder am Craft Market getroffen. Craft bezeichnet hier alles, was handgemacht ist. Das heißt geschnitzte Masken, Kochlöffel, Armbänder, Sandalen, Taschen, afrikanische Skulpturen, und was man sonst noch so alles als Souvenier mit nach Hause bringt. Der Markt ist einfach nur ein Traum. Hätte Stunden da verbringen können. Für's Erste habe ich aber nur eine Tasche (für 3 Euro), Sandalen und eine kleine Schildkröte aus Holz gekauft. Esther und ich haben schon gesagt, dass wir da in unseren 5 Monaten wohl echt ne Menge Geld lassen werden, auch wenn alles so günstig ist. Aber alleine wenn ich an all die Leute Zuhause denke, denen ich eine Kleinigkeit mitbringen will :-) Zum Glück ist der Craft Market immer nur Freitags, so bleiben mir schon nur noch 18 Tage, an denen ich ausgiebig dort shoppen kann.
Nach 2 Stunden Craft Market sind wir per Boda zum Supermarkt Shoprite gefahren. Der ist wohl ziemlich bekannt, weil es da wirklich alles gibt. Falls das Heimweh also mal ganz groß werden sollte, fahre ich da einfach hin und decke mich mit Haribo und Snickers ein, dann ist alles nur noch halb so schlimm :-) Heute haben wir uns außerdem noch super leckere Schokomuffins für umgerechnet ca 30 Cent gegönnt. Sooooooo gut! Und Mangosaft hab ich noch gekauft. Ebenfalls sehr lecker und gut zum Mischen, denn das Wasser hier schmeckt nicht wirklich immer gut (auch wenn viele meinen, dass es zwischen Wasser und Wasser keinen Unterschied gibt – ich sag euch den gibt es, kommt nach Uganda und ihr werdet es selbst merken ;-))
Nach 5 Stunden Kampala hatten wir dann aber auch die Nase voll und haben den Weg zurück zum Taxi Park gesucht. Wieder mal war ich froh, Tabea dabei zu haben. In Kampala werde ich mich wohl nie zurecht finden. Das fällt Tabea selbst nach 9 Monaten manchmal noch schwer, sagt sie.
Als wir im Taxipark dann im Matattu saßen, kamen etliche Jungs an die Fenster um uns Sachen zu verkaufen. Überwiegend kalte Getränke, aber auch Kekse, Seife oder Taschentücher. Das ist ein bisschen wie im Drive-In, nur anders rum. Man sitzt in einem stehenden Auto, während die Verkäufer ankommen, um ihr Zeugs loszuwerden.
Fran, einer der Spanier, hatte Esther vorher gesagt, wir sollten vor 14 Uhr zurückkommen, da wir sonst in die Rushhour kommen würden. Die war auch da, aber irgendwie war alles nur halb so wild. Der Verkehr stand fast nie komplett, irgendwer konnte immer fahren. Tabea hat den Verkehr hier mit einem Puzzle verglichen. Und das passt einfach perfekt.
Nach nur einer Stunde waren wir schon wieder zurück in Kampala. Esther ist dann noch mit zu mir nach Hause gekommen und wir haben Mangosaft getrunken und von der Straßenecke auf dem Markt hier in Kitoro Samosas (frittierte Teigtaschen) und ganz ganz trockenen Kuchen gegessen.
Das war also Kampala. Jetzt bin ich um einige Eindrücke und Erfahrungen reicher, hundemüde und ich weiß, dass das auf jeden Fall nicht mein letztes Mal in Kampala war, auch wenn die Stadt auf manche Touristen durchaus eine abschreckende Wirkung haben mag.

Montag, 30. Juli 2012

Tagesablauf


Heute komme ich mal wieder dazu, meinen Blog zu aktualisieren. Seit meiner Ankunft sind schon fast 2 Wochen vergangen und es geht mir hier mit jedem Tag besser. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich in den ersten Tagen doch ziemlich gejammert hab. Das hätte ich selber nicht von mir erwartet :-D Aber jetzt kommt so langsam Struktur in meinen Tagesablauf und das ganze Leben hier. Und die Zeit fliegt immer noch. Wenn ich an den Moment denke, in dem ich meine Liebsten am Flughafen verabschiedet habe, kommt es mir vor als wäre das gestern gewesen.
Da mich schon einige gefragt haben, wie mein Tag hier so aussieht, werde ich mal ein bisschen darüber erzählen.
Ich stehe meistens so zwischen 8 und 9 auf, könnte auch länger schlafen, bin da ziemlich frei in dem was ich mache. Das wird sich aber ab nächster Woche ändern, wenn nämlich Ferien sind und ich schon morgens ins Malaykahaus fahre. Nach dem Aufstehen hab ich meistens erstmal ziemlich viel Zeit, die hier aber irgendwie auch schnell verplant wird. Aber alles geschieht meistens ziemlich spontan. Duschen kann ich hier wann immer ich will, es sei denn einer der Söhne benutzt grade das Bad. Hier im Haus sind 2 Badezimmer, eins der Eltern und eins für uns 'Kinder'. Die Dusche ist, wie ich schon berichtet habe echt super, weil sie von oben kommt :-) Das Wasser ist zwar kalt, aber mir hat es in Deutschland schon nichts ausgemacht kalt zu duschen, außerdem tut das bei der schwülen und staubigen Luft hier jedes Mal super gut kalt zu duschen. Leider fehlt auf dem Klo die Klobrille. Deshalb nehme ich meistens mein Desinfektionsspray mit aufs Klo und mache erstmal sauber. Vielleicht bin ich da etwas pingelig, aber mit Hinsetzen beim Pinkeln habens die Kerle hier überhaupt nicht. Übrigens hängen im Badezimmer auch immer irgendwelche Unterflinten an der Wand. Fand das am Anfang echt ekelig und hab mich gefragt, wieso die da hängen. Am Freitags hab ichs dann kapiert... ;-) Da war nämlich die Waschfrau hier (meine Gastmutter hat Rückenprobleme, deshalb kommt jemand zum Wäsche waschen) und während sie am Waschen war, kam plötzlich meine Gastmutter rein – mit meiner Unterwäsche in der Hand. 'She found this in there' war ihr Kommentar dazu. Peinlich!! In dem Moment hab ich kapiert, dass ich meine Unterwäsche selber waschen muss, was mir aber auch irgendwie lieber ist :-) Freu mich trotzdem, wenn ich Zuhause wieder alles in die Waschmaschine stecken kann.
Nach dem morgendlichen Duschen gibt’s Frühstück. Und ich muss echt sagen, dass ist hier mega gut! Es gibt Brot (getoastet) mit Butter und Marmelade, dazu African Tea (schwarzer Tee mit Milch, Zucker und Zimt) und meistens Ananas, Mango oder Bananen oder so. Soooo lecker :-) Man merkt wirklich, dass mein Gastvater einige Jahre in Deutschland verbracht hat, er weiß, wie die Deutschen frühstücken. In anderen Familien soll es morgens Erzählungen nach zum Beispiel nur fritierte Banana (kalt) und Matoke (eine andere Bananenart) geben. Dazu Avocado. Die gibt’s hier übrigens auch so zu fast jeder Mahlzeit dazu.
Vormittags habe ich meine Zeit dann meistens zur freien Verfügung. Entweder gehe ich dann meistens Einkaufen (Essen oder Shoppen auf dem Markt hier) oder ich treff mich mit anderen Freiwilligen (seit letztem Donnerstag ist auch Esther hier, sie kommt aus Berlin und bleibt auch genau 5 Monate im Malaykahaus, wir verstehen uns echt gut :-)). Ansonsten fahre ich morgens mit dem Matattu (Taxi) oder Bodaboda nach Town, um dort Briefe zur Post zu bringen oder ins Internetcafe um Bilder hochzuladen. Heute Morgen war ich mit Tabea und Esther in einem anderen Waisenhaus, das ziemlich nah beim Haus meiner Gastfamilie ist. Das ist von Robin geführt, einer Amerikanerin. Vielleicht werden wir/ich da manchmal auch morgens hingehen um ein bisschen zu helfen. Allerdings sind die Kinder da wirklich noch ganz klein und viele liegen oder sitzen einach nur rum und schreien. Obwohl das Haus echt schön ist und es den Kindern bei Robin glaub ich wirklich gut geht.
Mittags bin ich dann immer wieder in der Familie zum Mittagessen. Das Essen ist wirklich lecker und ich bekomme auch immer mehr als genug ('You have to eat more, your boyfriend will like it if you come back' sagt meine Gastmami immer :-D). So richtig anfreunden kann ich mich mit dem Essen alllerdings noch nicht, liegt wahrscheinlich einfach daran, dass es hier oft das gleiche gibt und alles irgendwie ziemlich trocken ist. Wo es bei uns zum Beispiel Fleisch mit Soße und Nudeln oder Kartoffeln oder Reis gibt, gibt es hier Soße mit Gemüse und manchmal Fleisch mit Kartoffeln und Süßkartoffeln und Reis und Matoke (gekochte Banane, aber eine Bananenart die nicht süß ist). Zu allem gibt es in der Regel immer Peanutsoße. Die ist hier lila und schmeckt ganz okay.
Nach dem Mittagessen mache ich mich meistens direkt auf den Weg zum Malaykahaus. Von hier aus habe ich bis jetzt immer den Boda genommen für ca. 50 Cent pro Fahrt. Von Town aus kann man gut zum Malaykahaus laufen. Manchmal gehe ich also auch direkt von da. Heute bin ich mit Esther zum ersten Mal den Weg gelaufen, weil wir mal wissen wollten, wie lange wir zu Fuß brauchen. Ca. 35 Minuten sind wir dann durch schön warme Nachmittagssonne gelaufen. Wenn so gutes Wetter ist wie heute, werde ich das vielleicht echt mal öfter machen. Auch wenn der Boda nur 50 Cent kostet, auf 5 Monate gesehen kommt da echt was zusammen.
Ab halb 2, 2 bin ich dann die Woche über jeden Tag im Malaykahaus. Um halb 2 kommen die jüngeren Kinder von der Schule nach Hause und wir machen erstmal Hausaufgaben. Heute habe ich zusammen mit Esther einen Plan für die Ferien erstellt, da werden die Kinder nämlich den ganzen Tag im Haus sein und auch eine Menge Hausaufgaben über die Ferien aufbekommen die wir dann Vormittags mit ihnen erledigen wollen. Nachmittags gibt es zusätzliches Lernmaterial (ich sag ja, die Kinder hier haben echt Spaß am Lernen, selbst in den Ferien) und wir haben Schwimmprojekte, Exkurse zum Strand oder zu anderen Orten und Projekttage (Hygiene, Erdkunde, etc. ) geplant. Bin gespannt, wie es in der Umsetzung klappen wird. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Zeit, den ganzen Tag im Malaykahaus zu verbringen. Falls wir mal nach Kampala wollen oder sonst was geplant haben, ist es aber auch kein Ding, mal nicht hinzugehen. Da sind irgendwie alle ziemlich flexibel. Ich will aber schon gerne zu geregelten Zeiten hingehen, das hilft mir selber weil ich dann ne Struktur im Tag hab und es hilft denk ich auch den Kindern,wenn sie wissen, dass Auntie Julia immer zur gleichen Zeit kommt. Und ich will ja auch arbeiten und nicht nur irgendein Besucher sein, der mal kommt wenn es ihm grade lieb ist.
Meistens bin ich abends bis 7 oder 8 im Malaykahaus. Dann fahre ich mit dem Boda oder mit Anne oder Dilia (die haben beide ein Auto und fahren manchmal abends in meine Richtung) nach Hause. Da gibt es dann nochmal richtig leckeres Abendessen, wir hatten schon 3 Mal Salat :-).
Den Abend verbringe ich dann mit der Familie oder im Zimmer und lese was oder schreibe Tagebuch oder so. Und abends hab ich auch immer etwas Zeit zum Telefonieren über das ugandische Handy. Außer dienstags und donnerstags, da ist im Malaykahaus Pizza Night. Die ugandischen Aunties machen dann Pizza und wir Voluntäre kellnern. Das Geschäft boomt da echt richtig. Letzten Donnerstag haben wir 76 Pizzen verkauft, für jeweils 20.000 Uganda Schilling, das ist umgerechnet ca. 6,70€ und ist für die Aunties echt eine super Einnahmequelle. Und es macht echt Spaß, da zu kellnern. Heute hat mich Dilia gefragt, ob ich dienstags und donnerstags nicht bei Esther im Zimmer im Malaykahaus schlafen will, weil es abends so spät echt gefährlich ist, alleine mit dem Boda zu fahren, auch wenn man einen Boda hat, den man kennt, bzw. dem man vertraut. Denke ich werde das morgen mal machen. Freue mich auch riesig drauf mit Esther einkaufen zu gehen und dann Spagetti mit Ketchup zu kochen oder irgendwas anderes was ein bisschen deutsch ist. Wenn die spanischen Voluntäre aus dem Malaykahaus nämlich in den nächsten Wochen abreisen, hat Esther die Küche im Guesthaus erstmal für sich alleine. Ebenso den Kühlschrank. Aber es sollen auch bald wieder neue Voluntäre kommen, weiß allerdings nicht genau von wo und für wie lange. Lasse mich da mal überraschen, meistens ist hier eh alles ziemlich spontan aber es läuft trotzdem. Das mag ich irgendwie.  

Donnerstag, 26. Juli 2012

:-)

Jetzt bin ich schon eine ganze Woche in Uganda. Junge, wie die Zeit vergeht. Hab zwar erwartet, dass hier alles schnell rumgeht, aber das es SO schnell geht hätte ich nicht erwartet. Naja, mag zum einen daran liegen, dass das jetzt die erste Woche war, zum anderen auch daran, dass es hier zwischen viertel nach 7 und 8 stock dunkel wird und die Tage so irgendwie immer recht schnell vorbei sind. Ich fühle mich hier immer wohler und bin dabei das anfängliche alltägliche Heimweh zu überwinden. Nichts desto trotz fehlen mir meine Liebsten natürlich immer noch sehr :-) Die ersten Briefe sind schon auf dem Weg nach Deutschland. Sorry Freunde, leider sind erstmal die Großtanten und Omas dran ;-) Und natürlich die Duwes und Trapps.
Schon nach einer Woche habe ich meine Gastfamilie richtig ins Herz geschlossen. Sie sind alle soooo lieb! Meine Mum ist eine super Köchin und Daddy macht den ganzen Tag Scherze. Mum und Daddy übrigens deshalb, weil ich hier einfach schon total zur Familie gehöre. Alle die uns regelmäßig besuchen kommen sind nur Brothers und Sisters. Irgendwie schön.
Jetzt ist grade wieder Stromausfall, deshalb werde ich später weiter schreiben. Haha, irgendwie finden das hier alle witzig :-D Bis später. 

Ok jetzt ist er wieder da, der Strom. Hab aber keine Lust mehr weiter zu schreiben. Gibt jetzt Abendessen.

Sonntag, 22. Juli 2012

Solangsam bin ich angekommen


Seit gestern ist jetzt auch mein Gepäck endlich da. Ihr glaubt gar nicht wie froh ich war als die Flughafentante mit dem Gepäckwagen um die Ecke kam. Zum Glück ist die Schwiegertochter meiner Gasteltern ein ziemlich hohes Tier im Flughafenmanagement, sie meinte ich hätte mein Gepäck sonst wohl erst in einer Woche oder so bekommen. Grade komme ich aus der Kirche. 3 Stunden!! War total gespannt, wie Kirche hier ist. Nach diesen 3 Stunden muss ich aber echt sagen, dass ich da glaube so schnell nicht mehr hingehe :-D Die Kirche hier ist direkt nebenan. Außerdem sind die Fenster immer offen. Ich höre also rund um die Uhr alles, was da stattfindet. Die Gesänge sind ja super schön. Aber diese Prediger, die sich trotz Mikro die Kehle aus dem Hals schreien gehen mir jetzt schon auf die Nerven. Das war auch der Grund warum ich letztendlich früher gegangen bin. Mein Gastvater meinte vorher auch 'you will get very tired, so leave whenever you want to'. Hatte mir eigentlich vorgenommen einmal durchzuhalten. Aber Tabea hat mir auch schon erzählt, dass man da am Ende einfach nur einschläft.
Gestern habe ich mit Anne telefoniert, einer Deutschen, die seit ca. 5 Jahren hier lebt und unter anderem für das Malaykahaus zuständig ist. Sie hat mich dann direkt zu einem Rugbyspiel der Entebbe Secondary School eingeladen. Zum ersten mal bin ich gestern dann auch BodaBoda gefahren. Das sind diese kleinen Motorräder mit Fahrer, welche hier überall am Straßenrand stehen und darauf warten, Kundschaft zu bekommen. Verglichen mir den Deutschen Bus- und Bahnpreisen fährt man hier quasi fast umsonst . Für eine Fahrt von unserem Haus bis zum Sportplatz habe ich umgerechnet ca. 70 Cent bezahlt. Mir wurde aber gesagt, dass ich nur mit ganz bestimmten fahren sollen. Nicht alle meinen es hier gut mit 'Muzungus' (=alle weißhäutigen). Weißhäutige stehen allgemein dafür, sehr reich zu sein. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Muzungu auf der Straße ausgeraubt wird. Mein Gastvater hat mir die Nummer von 2 zuverlässigen und sicheren Bodabodafahrern gegeben, einen weiteren hat Tabea mir empfohlen. Den hab ich dann letztendlich auch angerufen und er hat mich direkt vor dem Haus abgeholt und zum Sportplatz gebracht. Eigentlich eher eine große Wiese. Dort waren alle Aunties und Kinder des Malaykahauses am Spielfeldrand versammelt und haben die Damenmannschaft im Rugby angefeuert. Ich wurde sofort total freundlich empfangen und auch die meisten Kinder hatten kaum Scheu vor mir und setzten sich zB direkt auf meinen Schoß. Der kleine William hat mich sofort gefragt 'Whats your name?' und hat mich dann den ganzen Nachmittag nur noch Auntie Julia genannt :-) Die Kids haben mich auch sofort gefragt ob ich mit zu ihnen nach hause fahren würde. Habe dann erklärt, dass ich erst noch mein Gepäck vom Flughafen holen muss, dann aber am nächsten Tag, also heute kommen würde. Bei dem Rugbyspiel waren ungefähr 20 Kinder und 10 Aunties, und die sind am Ende alle (!) mit einem Kleinbus nach Hause gefahren. Das sah sooo süß aus wie die ganzen kleinen Augen aus den Fenstern guckten :-) Was meine Arbeit im Malaykahaus angeht bin ich, wie ich gestern erfahren habe, sehr flexibel. Anne meinte ich kann quasi kommen und gehen wann ich will, da erst ab nächsten Freitag hier Ferien sind, sind im Moment eh nur 4 der ganz Kleinen Kinder tagsüber im Malaykahaus. Um 3, bzw. 5 kommen unter der Woche die Älteren aus der Schule. Da werde ich dann auch kommen um bei den Hausaufgaben zu helfen und mit den Kindern zu lesen. Die meisten Kinder hier wissen, glaub ich, wie wichtig eine gute Schul- und Ausbildung ist. Sie sind sehr dankbar dafür. Vom Malaykahaus werde ich wieder berichten, wenn ich nochmal da war.
Dann mal was zum Leben in meiner Gastfamilie. Die Eltern Peace und William sind sooo lieb zu mir. Sie sagen mir jeden Tag, dass ich mich wie Zuhause fühlen soll und sie alles dafür tun wollen, dass es mir gut geht. Deshalb hat William seine Schwiegertochter gestern auch ungefähr 10 Mal angerufen um zu fragen, ob es was neues wegen des Gepäcks gibt :-D Mein Zimmer ist auch relativ groß, wenn man bedenkt, dass ich hier alleine drin wohne. Gegenüber von meinem Zimmer ist das Zimmer der Söhne des Hauses, die schlafen da zu viert! Meine Familie ist aber glaub ich echt ziemlich wohlhabend, das meinte auch Tabea. Die haben einen Toaster, einen Sandwichmaker, Radio, TV, Bügeleisen uuund eine Dusche die von oben kommt ;-) So wie ich gehört habe, haben das Glück (vor allem mit der Dusche) nicht alle Freiwilligen hier. Und in den ersten Tagen habe ich auch feststellen müssen, dass man sich auch mit einfacher Seife super waschen kann. War aber dann doch echt glücklich als Tabea mir Shampoo vorbeigebracht hat :-) Das Essen ist auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig, aber auf keinen Fall schlecht. Hier geben sich alle so viel Mühe, dass es mir schmeckt. Gestern stand sogar auf einmal eine Packung M&M auf dem Tisch. Das Wasser kommt hier zwar auch aus dem Wasserhahn, das kann man aber so nicht trinken. Deshalb ist im Kühlschrank (!) immer ein Kanister mit Trinkwasser. Das hat mich sofort total gefreut. Gestern morgen hab ich allerdings sehr blöd geguckt, als ich gesehen habe, dass in dem Wasser winzige Ameisen schwimmen. Meine Gastmutter hat auf meinen erschrockenen Blick nur mit einem 'we eat them' geantwortet. Alles klar ;-)
Habe seit Freitag auch Internet in meinem Zimmer über einen Stick (bin mal gespannt wie lange das pro Monat hält) und ein ugandisches Handy. Damit kann ich sehr günstig mit den anderen Freiwilligen und den Ugandern schreiben. Ein Handy hat ihr eigentlich so ziemlich jeder. Auch die Bodabodafahrer ruft man auf dem Handy an. Was mich ganz besonders gefreut hat: Es kostet mich nichts, Anrufe aus Deutschland vom Festnetz zu empfangen. Ihr daheim zahlt mit einer Billigvorwahl nur 10 cent pro Minute, und ich finde, wenn man nicht grade 1 Stunde telefoniert ist das echt okay. Wer die Nummer haben will kann sich ja über Facebook bei mir melden.
Jetzt werd ich mich erstmal ein bisschen hinlegen. Komme hier zwar in der Regel auch immer relativ früh ins Bett (zumindest die letzten 3 Nächte), alleine deshalb, weil es zwischen 7 und viertel nach 7 ganz fix ganz dunkel wird. Hab nämlich Schiss vor den Malariamücken, deshalb gehe ich lieber früh schlafen, als noch ewig mit Licht unter dem Moskitonetz rumzuhantieren.
So, das wars erstmal für heute.
Ps. Mein Gastbruder hat mich übrigens total ausgelacht wegen den blöden Salamandern an der Wand. Das ist hier wohl ganz normal. Die flitzen einfach n bisschen da rum und hauen dann auch von alleine wieder ab. Und angeblich gehen sie auch NICHT in mein Bett. Naja ich trau dem Braten nicht so ganz. Mache vorsichtshalber sobald es dunkel ist mein Moskitonetz übers Bett.

Freitag, 20. Juli 2012

Hallo ihr Lieben,
jetzt bin ich also in Uganda. Es ist super schön hier und die Leute, wie vermutet alle sehr herzlich und nett. Leider mussten meine Gasteltern am Flughafen sehr lange auf mich warten. Erst hatte der Flieger fast 2 Stunden Verspätung und dann war mein Gepäck weg... Das ist es leider bis heute, was das alles hier nicht unbedingt einfacher macht. Nichts desto trotz geht es mir hier gut. Die Gasteltern sind super lieb und verwöhnen mich von vorne bis hinten. Auch wenn mir meine Liebsten doch sehr fehlen. Habe schon eine der deutschen Freiwilligen kennen gelernt - Tabea. Sie hat mich heute mit zum Strand genommen und wir haben ein paar schöne Stunden gequatscht und Soda getrunken ( unter Soda versteht man hier so ziemlich alles Limonadenartige). Bin froh, sie getroffen zu haben. Morgen hat sie mich zu einer Hochzeit eingeladen. Hab auf jeden Fall Lust, mit ihr hin zu gehen. Vorher würden wir auch noch "shoppen" gehen ;-) Mache es aber denke davon abhängig ob ich mein Gepäck morgen habe. Ahhhhh hier läuft grad ein Salamander meine Wand entlang. Später mehr.

Freitag, 13. Juli 2012

Abschiedsfete

Hab gestern Abend bei bestem Wetter, Bier und Grill mit meinen Lieben eine kleine Abschiedsfete bei uns im Garten gefeiert. Dank eines fetten Survival Päckchens von den Mädels kann jetzt wohl wirklich nichts mehr schief gehen ;-) Ihr werdet mir alle wirklich ganz schön fehlen.. Aber 5 Monate vergehen wie im Flug. Und wie heißt es so schön - Man soll gehen wenn's am schönsten ist :-)
Jetzt steht erstmal noch ein Wochenendtrip nach Bayern zum 50. Geburtstag meines Patenonkels an. Und wenn ich wieder hier bin sind's auch schon nur noch 2 Tage bis ich fliege...

Mittwoch, 11. Juli 2012

Titelbild

Achso, bevor sich jemand beschwert. Das Titelbild meines Blogs ist geklaut.. und zwar von Jessica, einer Freiwilligen die ebenfalls im Malaykahaus tätig war.


(http://jessisabenteuer.blogspot.de/)